Jan's Rennbericht zur IRONMAN World Championship 2025 in Nizza
Persönliche Eindrücke von Jan Eickmann von seiner Teilnahme an der IRONMAN Weltmeisterschaft der Herren 2025 in Nizza.
Der Tag beginnt mit einer kleinen Überraschung: Statt angekündigter Wolkendecke und leichter Brise werden die Triathleten von der aufgehenden Sonne, Wind und Neoverbot begrüßt. Kein Drama, aber anders als erwartet. Dass ich nach dem IRONMAN Frankfurt keinen Swimskin gekauft habe, ist der erste taktische Fehler des Tages.
SWIM
Mein Start in AK40-44 erfolgt in Welle 8 von 11 um 7h37 – spät, was bedeutet, dass bereits viele Triathleten auf der Strecke sind. Die ersten Meter sind entsprechend eng und chaotisch, aber ich finde rasch meinen Rhythmus. Der Wellengang nimmt mit der Zeit zu, was die Orientierung stellenweise erschwert. Ich konzentriere mich bewusst auf ökonomisches Schwimmen, um Energie zu sparen. Nach 1h01 steige ich zufrieden aus dem Wasser und laufe Richtung T1 – solider Auftakt.
BIKE
Die ersten zehn Kilometer raus aus Nizza laufen dank Rückenwind schnell und flüssig; die Beine fühlen sich gut an. Dann folgen einige Ortsdurchfahrten und Rampen, die durch den Autoverkehr auf der linken Spur erhöhte Konzentration erfordern.
Ab Kilometer 45 beginnt der fast 20 km lange Anstieg zum Col de l'Ecre. Ich fahre kontrolliert, meine Aufmerksamkeit wechselt zwischen Wattmesser, Aussicht und Verpflegung. Auf dem Hochplateau auf ca. 1200 m angekommen, wird es zäh und ich fühle mich ausgelaugt: Starker Wind, ständiges Auf und Ab, ich finde keinen Rhythmus. Einige Triathleten formieren sich zu Gruppen, die Wettkampfrichter beschränkten sich auf Handzeichen statt Zeitstrafen.
Die erste Abfahrt nach 115 km nutze ich zur Erholung. Dann ein 8 km langer Gegenhang, gefolgt von der abschließenden, technisch anspruchsvollen Abfahrt: Bodenwellen, Schlaglöcher, Überholverbote, Autos und verstreute PET-Flaschen verlangen einen konstanten Fokus. Die letzten flachen 15 km im Gegenwind zurück nach Nizza scheinen nicht zu enden. Nach 5h37 auf dem Rad rolle ich in T2 – Verpflegung und Leistung nicht optimal, aber Zeit noch im Plan.
RUN
Den Marathon beginne ich kontrolliert und verpflege mich sofort. Während ich nach meiner Familie Ausschau halte, entdecke ich stattdessen Patrick Lange. Ich frage mich, welchen Verlauf das Profirennen gerade nimmt.
Bis zum Flughafen läuft alles nach Plan, sub10 realistisch. Doch nach dem ersten Wendepunkt trete ich bei bei km 6 in ein Schlagloch, knicke um und stürze. Der Knöchel schwillt sofort stark an – vermutlich Bänderriss. Mir ist klar: sub10 beerdigen, nur noch Ankommen. Den verbleibenden Marathon absolviere ich nach dem Motto „Laufen solange es geht“ und „Gehen bis es wieder läuft“. An jeder Verpflegung kommen Eiswürfel in den Socken und ich versuche mich mental zu konditionieren.
Große Motivation erhalte ich alle fünf Kilometer durch meine Familie am Streckenrand. Bei Kilometer 11 überholt mich Jonas Schomburg, bevor er in den Zielkanal einbiegt, und wir wechseln ein paar Worte. Später schickt mich Jan Frodeno als Zuschauer mit einem kurzen Zuruf in die letzte Runde auf der Promenade des Anglais.
Nach 3h31 Laufzeit und 10h18 Gesamtzeit überquere ich die Ziellinie und empfinde nichts als Erleichterung. Den Besuch beim Croix-Rouge lasse ich mir danach nicht nehmen.




